Einst wurde hier Stadtgas für die Beleuchtung und die Energieversorgung Hamburgs hergestellt. Seit mehr als 20 Jahren beherbergt das imposante Backsteingebäude im Hamburger Westen ein Hotel – das Gastwerk. Im Interview verrät Direktorin Tina Schulz, wie man ein historisches Gebäude als zeitgemäßes Design Hotel erhält.

Ein Denkmal erzählt vom Leben früherer Generationen. Ein Hotel mit Anspruch aber ist nur dann erfolgreich, wenn es in der Gegenwart lebt, vielleicht sogar eher in der Zukunft. Wie gelingt dieser Spagat im Gastwerk, das ja beides ist – Denkmal und Design Hotel?
Tina Schulz: Viele der historischen Elemente wurden liebevoll aufgearbeitet, der Backstein wurde herausgearbeitet und der Stahl mattiert, das Holz wurde abgeschliffen und viel Glas verbaut. Es gibt hohe Hallen mit alten Maschinen, wie Kunstwerke und viel echte Kunst. Dazwischen Rezeption, Restaurant und eine Bar, die Zimmer und Tagungsräume. Unser Hotel bietet eine einmalige Atmosphäre. Nicht nur der Bau war herausfordernd, sondern auch die Instandhaltung und die Modernisierung sind immer wieder anspruchsvoll. Ich bin seit 15 Jahren im Gastwerk. Und bisher haben wir jedes Jahr renoviert.
Wie modernisiert man ein Hotel?
Die größte Herausforderung besteht darin, dass wir während der Arbeiten das Haus nicht komplett schließen können. Selbstverständlich stellen wir sicher, dass der Hotelbetrieb nicht beeinträchtigt wird. Deshalb nehmen wir einzelne Bereiche vor. Unser Haus hat 141 Zimmer. Als die Bäder dran waren, sind wir diese in Etappen angegangen. Zunächst wurden alle Bäder der S-Loft Atrium renoviert, danach wurden die Bäder der L-Loft Zimmer erneuert und zeitgleich in diesen Zimmern Klimaanlagen nachgerüstet. Beim nächsten Bauabschnitt wurde die komplette Inneneinrichtung in unseren XL-Lofts neu gestaltet und in diesem Jahr folgt der Austausch der Teppiche in den Fluren im Haupthaus. Der Umbau zieht sich beständig durchs ganze Hotel. Ist man mit einer Sache fertig, folgt die nächste.
Können Sie uns ein Beispiel geben?
Zuletzt waren die Zimmer in unserem Anbau dran. Die Betten und der Teppich wurden erneuert. Das Schrankmodul ist als solches zwar geblieben, es wurde aber vollkommen aufgearbeitet. Der große Schreibtisch wurde rausgeworfen, denn Umfragen haben ergeben, dass Gäste sich lieber einen Rückzugsort im Hotel suchen, um dort zu arbeiten. Die Bäder wurden erneuert, bekamen neue Objekte, einen neuen Waschtisch und eine neue Duschtür. All das hat acht Wochen gedauert. Doch es hat sich gelohnt.
Man möchte meinen, jetzt sollte doch für ein paar Jahre alles getan sein. Warum ist das nicht so?
Ein Haus wie das Gastwerk hat ja nicht bloß den Anspruch den Betrieb durchgehend aufrecht zu erhalten, wir wollen auch Trends setzen. Ein gutes Hotel erfindet sich permanent neu. Kai Hollmann, unser Inhaber, sagt gern: Wenn es allen gefällt, ist es langweilig.
Das heißt, man wartet nicht, bis sich der Gast beschwert, sondern man handelt vorher?
Viel früher! Wir als Hoteliers, schauen ja mit einem noch kritischeren Blick auf die Einrichtung. Zudem erhalten wir ständig auch Feedback von unseren Gästen. Und so erarbeitet man sich manchmal die Notwendigkeit zu renovieren bevor es eigentlich so weit ist. Bei den Zimmern im Anbau zum Beispiel hatte ich schon vor dem Chef das Gefühl, hier müsse was geschehen. So habe ich mir von ihm zu Weihnachten ein Musterbad gewünscht. Und ich habe auch eins bekommen. Wir müssen handeln, weit bevor der Eindruck entsteht, die Zimmer sind nicht mehr zeitgemäß.
Das Gastwerk verfügt auch über diverse Meeting-Räume. Wie wichtig ist dieser Bereich für das Haus?
Wir haben 11 Veranstaltungsräume. Und die müssen technisch sowieso immer up-to-date sein: beste Internetverbindung, aktuellste Projektionstechnik, moderne Call-Möglichkeiten. Aber auch gutes Licht, attraktive Pausenräume, leckeres Essen. Was unsere Veranstaltungsräume betrifft, sind wir besonders gut aufgestellt. Das Hotel verfügt über mehr Platz als die meisten anderen in der Stadt, die spektakuläre Halle oder unsere große Terrasse. Wie ernst wir dieses Business nehmen, merkt man daran, dass bei uns 13 Köche arbeiten, die allein für das gesamte leibliche Wohl unserer Gäste sorgen. Wir verwenden kein Convenience-Food, sondern bereiten alle Speisen frisch zu. Das schätzen unsere Veranstaltungs-Gäste sehr.
Was unterscheidet eigentlich den modernen Gast von jenem, mit dem Sie in Ihrer Anfangszeit im Gastwerk tun hatten?
Ach, da gibt es viele Beispiele. Manche sind ganz banal: So erwarten unsere Gäste heute ganz selbstverständlich, dass es überall im Zimmer Steckdosen gibt, um die vielen Geräte aufzuladen – Laptop, iPad, Smartphone, Kopfhörer, Wearable, elektrische Zahnbürste… Und, klar, schnelles Internet. Dafür kann man fast darauf verzichten, ein Telefon neben das Bett zu stellen oder einen Fernseher an die Wand zu hängen.
"Ein Haus wie das Gastwerk hat ja nicht bloß den Anspruch, den Betrieb durchgehend aufrecht zu erhalten. Wir wollen auch Trends setzen."

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das Gastwerk aktuell?
Mit allen Aushilfen und dualen Auszubildenden sind es 90 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und wir sind stolz darauf, dass wir alle Stellen wieder besetzt haben. Das ist gerade in diesen Zeiten, in der in unserer Branche so viele Betriebe nach Arbeitskräften suchen, auch ein Kompliment an uns. Stolz macht mich auch, dass wir demnächst wieder mehrere Jubiläen feiern. Wir haben viele, die seit fünf oder zehn Jahren bei uns sind und aber auch schon einige Kollegen und Kolleginnen, die schon ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert haben.
Was macht das Gastwerk richtig?
In diesem Gespräch geht es ja um das Thema Neuerungen. So haben wir nicht nur die Personalkantine gründlich renoviert – sondern wir haben seit März vergangenen Jahres einen Personalkoch. Er bereitet das Essen nur für das Team zu. Und es war uns wichtig, hier jemanden gefunden zu haben, der alle Bedürfnisse bedienen kann.
Im Jahr 2025 darf das Gastwerk sein 25-jähriges Jubiläum begehen. Was können Sie uns dazu heute schon sagen?
Erstmal gibt es eine gute Nachricht: Wir werden Jubiläum feiern. Es gibt ja immer auch Stimmen, die sagen, dass man mit einem solchen Fest ja überhaupt erst aufs Alter aufmerksam mache. Aber wir haben so viele besondere Momente, auf die wir zurück blicken können und noch so viel vor für die Zukunft, das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Es gilt auch Danke zu sagen – an die Nachbarschaft, an die Gäste der ersten Stunde, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Fotos: Susanne Baade





