Vor einem Jahr wurde das Gastwerk GreenSign zertifiziert. Im Interview berichtet Nikolai Wacker aus dem Nachhaltigkeits-Team über die bisherigen Fortschritte.
Lieber Nikolai, wir hatten uns ja verabredet für eine Rückschau auf das Thema Nachhaltigkeit. Was kannst du uns berichten über eure Maßnahmen?
Nikolai Wacker: Es sind die kleinen Dinge, die uns stolz machen. Ich selbst war überrascht, als ich alles in einer Tabelle zusammengetragen habe, wie viele es sind. Wir haben zum Beispiel einen Blüh-Streifen angelegt. Schotter wurde entfernt und eine Wiese gesät. Das mag nicht spektakulär klingen, ist aber wunderschön anzusehen: die bunten Blumen, etwa Kornblumen, wie sich Hummeln darauf niederlassen, Schmetterlinge flattern umher. Neu im Garten ist auch ein Insektenhotel, das ebenfalls zur Artenvielfalt beiträgt. Wir haben auch Nistkästen aufgehängt, und es leben sogar Vögel drin. Es kam jedenfalls eines Tages eine E-Mail von der Haustechnik: „Wisst ihr schon? Wir haben neue Gäste…“
Vom Insektenhotel zum Bienenstock ist es doch kein großer Schritt?
Wir würden in unserem Shop gern einen eigenen Honig anbieten. Aber noch ist es nicht so weit. Aktuell beziehen wir den Honig von einem Imker aus Ottensen, also aus anderthalb bis zwei Kilometern Entfernung. Den nutzen wir in unserem Restaurant und verkaufen ihn in unserem Shop.
Was hat es mit dem Shop auf sich? Inwiefern sind der und da angebotenen Produkte mit der Nachhaltigkeitsstrategie verknüpft?
Sehr – und das soll auch noch mehr werden. Beispiel: Wir verkaufen Seife aus Kaffeesatz! Noch steuern wir den Kaffeesatz nicht selbst bei. Aber es ist ein Abfallprodukt aus der Hotellerie, das so einen neuen Nutzen hat.
Die riecht nach Kaffee?
Nicht wirklich. Aber wenn sie nahezu aufgebraucht ist, hat sie eine leichte Peelingstruktur. Ein Hamburger Start-Up steckt dahinter. Und wir freuen uns, dass wir es unterstützen.
Im Restaurant wurde uns kürzlich eine verblüffende Frage gestellt: Ob wir den Korken noch bräuchten? Steckt auch da ein Start-Up dahinter?
Die Kolleginnen und Kollegen öffnen monatlich unzählige Weinflaschen. Die Korken sammeln wir und liefern sie an den NaBu. Der schreddert die Korken zum Rohmaterial für einen Natur-Dämmstoff und verkauft den. Mit den Erlösen werden verschiedene Projekte unterstützt, etwa die Kranich-Population in den Korkeichenwäldern Spaniens. So verwandeln wir ein Abfallprodukt, das sonst im Müll landen würde, in einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz.


Immer mehr Hotels stellen es ihren Gästen frei, auf die tägliche Zimmerreinigung zu verzichten. Welche Position nimmt das Gastwerk dazu ein?
Wir haben beschlossen, unseren Gästen die Möglichkeit zu geben, uns beim Umweltschutz zu unterstützen und diesen Service abzubestellen. Dafür gibt es keine Belohnung. Wer darauf verzichtet, tut es aus Überzeugung. Das funktioniert ziemlich gut. Wir sparen Reinigungsmittel und Energie für fünf bis zehn Zimmer pro Tag.
Wie steht es um die „Aktion Baum“?
Wir hatten uns ja im vergangenen Jahr an einer Aufforstungsaktion in einem Gebiet jenseits der Stadtgrenze beteiligt. Dabei sollen gerodete oder vom Borkenkäfer zerstörte Flächen wieder aufgeforstet werden. Wir bieten unseren Gästen die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß, der durch den Hotelaufenthalt entsteht, zu kompensieren. Der Grundbetrag liegt bei einem Euro pro Nacht. Das kann schon bei der Zimmerreservierung gebucht werden. Das machen sehr viele. Das so gesammelte Geld kommt dieser Aufforstungsaktion zu Gute.
Die Gäste machen also mit?
Ja. Und auch hier gibt es eine Wechselwirkung zwischen Gast und Hotel. So bekommen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Schokolade oder andere Süßigkeiten geschenkt, wenn sie Geburtstag haben. Unsere Direktorin Frau Schulz überreicht einen Baum. Also nicht wirklich einen Baum, sondern ein Zertifikat über eine Patenschaft mit der Aktion Baum. Wir wollen Nachhaltigkeit leben.
Welche Ideen kamen aus den Teams im Haus?
Eine Sammelbox für alte Batterien aufzustellen. Jeder kennt das, man hat keine Lust, alte Batterien mit in den Supermarkt zu nehmen, die sammeln sich irgendwo. Und bevor man in Versuchung kommt, sie einfach im Hausmüll zu entsorgen, können die Mitarbeiter sie im Hotel entsorgen. Ein kleiner Schritt. Aber so erhöhen wir die Awareness für das Thema.
Hamburg hat sehr sauberes Trinkwasser. Schon beim letzten Mal habt ihr gesagt, dass ihr es stärker nutzen wollt.
Wir haben im Personalbereich schon umgestellt, da gibt es keine Plastikflaschen mehr. Alle Mitarbeiter haben Gastwerk gebrandete Glasflaschen bekommen. Das verlangt den Mitarbeitern auch etwas ab. Sie müssen in die Kantine gehen und da ihre Flasche auffüllen und gegebenenfalls sprudeln, statt einfach eine neue aus dem Kasten zu nehmen. Doch die Akzeptanz ist da.
Nachhaltigkeit ist nicht nur Umweltschutz sondern auch Soziales Engagement. Welche Projekte unterstützt ihr?
Für die Initiative Suppenküche kochen wir in den Wintermonaten einmal pro Woche eine Suppe, die abgeholt und von der Initiative ausgeteilt wird. Im Shop bieten wir die Teddys von Leuchtfeuer an und unterstützen deren Hospiz-Arbeit. Außerdem sind wir Partner von Food Sharing. Das ist eine gemeinnützige Organisation, die Lebensmittel vor der Tonne rettet. Wir haben ja einen großen Tagungsbereich. Offenbar lässt es sich nicht immer genau kalkulieren, ob wirklich alle angemeldeten Teilnehmer kommen. Da bleibt manchmal mehr übrig, als wir verwerten können. Diese Initiative hat eine lokale Gruppe gegründet, die holen solche Buffet-Reste ab. Die werden dann in Notunterkünften angeboten oder bei den Tafeln. Das ist eine Win-Win-Situation für alle: Unsere Köche freuen sich, dass ihr Essen noch gegessen wird, wir können Lebensmittelabfälle reduzieren, und Bedürftige bekommen ein leckeres Essen.
Das klingt so einfach. Warum hat es dennoch so lange gedauert, das umzusetzen?
Es ist gar nicht so leicht in der Hotellerie. Es geht immer um Kühlketten, um die Vergänglichkeit zubereiteter Lebensmittel. Hier übernimmt Food Sharing das gesamte Handling und sichert so die Haltbarkeit. Wir sind happy, dass das so gut klappt!

Was ist euer Fazit zu den bisherigen Nachhaltigkeitsmaßnahmen?
Mit all diesen kleinen Maßnahmen positionieren wir uns sichtbar im Bereich Nachhaltigkeit. Ob Zimmerreinigung, der Garten, Produkte im Shop oder in den Restaurants – das Thema wird immer präsenter. Es ist schön zu sehen, wie viele Projekte in unserem Haus entstanden sind. So können wir dem Gast auch mit Nachdruck vermitteln, dass es uns ernst ist. Und die Gäste haben das Gefühl, mit ihrem Aufenthalt auch Gutes zu tun.
Wie kommt das im Haus an?
Anfangs wurde die eine oder andere Initiative belächelt. Doch inzwischen ist es so, dass immer mehr Vorschläge aus dem Haus kommen. Es sind vielleicht nur Kleinigkeiten, aber in der Summe haben sie eine Wirkung. Hinter jedem unserer Projekte steht ein Team. Und das zeigt den Spirit in Sachen Nachhaltigkeit im Haus. Darauf sind wir stolz.







