Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach? Energie aus Ökostrom? Biologisch abbaubare Putzmittel? In der Hotellerie hat Nachhaltigkeit viele Gesichter. Im Gastwerk sind es zwei. Ein Gespräch mit Nikolai Wacker und Till Johannsen aus dem Green Team darüber, was Nachhaltigkeit für das Design Hotel bedeutet.

Längst ist Nachhaltigkeit mehr als ein Schlagwort. In einer Welt, in der Umweltbewusstsein und soziale Verantwortung immer mehr an Bedeutung gewinnen, muss auch ein zeitgemäßes Hotel klar seine Position zeigen. Denn selbst wenn viele dieser Prozesse für die Gäste nicht sichtbar sind – auf den Aufenthalt haben sie ohnehin keine Auswirkung – so sind sie doch im Mindset präsent. Für ein gutes Hotel gehört es einfach zum guten Ton, solche Prozesse offenzulegen.

Nachhaltigkeit ist nicht immer klar greifbar – und doch allgegenwärtig. Welche Beispiele aus dem Hotel-Alltag gibt es für dieses Paradox?

Till: Nehmen wir mal eine typische Szene im Restaurant. Vier Freunde sitzen am Tisch und bestellen Essen. Da ist es heute ganz selbstverständlich, dass auch ein oder zwei vegetarische Gerichte bestellt werden und vielleicht auch ein veganes. Ein modernes Restaurant kann es sich also gar nicht mehr leisten, in solchen Fällen einfach bloß das Fleisch wegzulassen. Man braucht eine daraufhin geschriebene Karte.

Nikolai: Ein anderer Fall ist die Mobilität. Selbstverständlich schreiben wir unseren Gästen nicht vor, wie sie anreisen sollen. Aber wer mit einem Elektrofahrzeug kommt, hat bei uns die Möglichkeit, den Akku zu laden. Wir haben Fahrräder zur Verfügung, die unsere Gäste kostenfrei nutzen können. Und selbstverständlich rufen wir ein Elektro-Taxi, wenn gewünscht, oder empfehlen ein Moia.

Kommt eigentlich auch die Frage auf: Wie nachhaltig ist euer Hotel?

Nikolai: Wir denken nicht, dass das so abläuft. Die Gäste erwarten das von ihrem Hotel.

Till: Vor allem jüngere Generationen hinterfragen viel stärker, wie sich ein Unternehmen in solchen Fragen engagiert. Es geht ja um ihre Zukunft. Und wenn sie den Eindruck haben, man leistet keinen Beitrag zu dem wichtigen Thema, dann ist man schlicht nicht mehr auf dem Mindset dieser Zielgruppe.

Nikolai: Wir wollen dem Gast ein Angebot machen. Denn wie schon gesagt, die Erwartungshaltung zum Thema Nachhaltigkeit ist extrem unterschiedlich. Manche fragen dazu nicht nach, für andere ist es buchungsrelevant. Beide sind sich aber einig, dass sie keine Komforteinbußen hinnehmen wollen.

Die Handtuch-Frage – waschen lassen oder weiter nutzen – ist längst ein Klassiker. Welche Neuerungen gibt es in den Zimmern?

Nikolai: Es sind viele Kleinigkeiten. So verwenden wir in den Bädern Spender für Shampoo und Duschgel, Seife und Bodylotion. Es liegen keine Zeitschriften mehr auf den Tischen, sondern wir bieten unsere Gästen Downloadlinks. Die Reinigung erfolgt mit zertifizierten Reinigungsmitteln. Der Gast hat die Möglichkeit, seinen Aufenthalt durch eine Spende an eine entsprechende Organisation zu kompensieren. Wir stellen unseren Gästen quasi einen Baukasten bereit und fragen sie: Hey, wenn du willst, kannst du deinen Aufenthalt bei uns nachhaltiger machen – du musst es aber nicht.

Till: Kommunikation ist das wichtigste. Das trifft zum Beispiel auch auf das Frühstück. Da liegt der vegane Anteil bereits bei 45 Prozent, ein Großteil aller Produkte kommen von regionalen Produzenten, sind sogar saisonal – und wir haben ganz auf zero waste umgestellt.

Sind es vor allem die unscheinbaren Dinge, die Nachhaltigkeit ausmachen?

Till: Es ist ja auch für uns ein Prozess, ein Learning. Manchmal gehen wir große Themen an und stellen auf dem Weg dahin fest, dass es noch ganz viel kleinere Aspekte zu klären gibt. Manchmal besteht das Große aus vielen Kleinigkeiten.

Nikolai: Vieles passiert im Hintergrund. Leuchtmittel werden durch energiesparende LED ersetzt, wenn Elektrogeräte ausgetauscht werden müssen, achten wir auf deren Energieeffizienz. Wir lernen aber auch Grenzen kennen. Es hat zuletzt viele Preissteigerungen gegeben. Unsere Gäste wollen sich ein Dinner weiterhin leisten können. Wir müssen also darauf achten, dass ein Restaurantbesuch bezahlbar bleibt.

Lasst uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wo steht das Gastwerk in zehn Jahren?

Nikolai: Unser Ziel ist ganz pragmatisch – dass wir alle Prozesse aus einer Perspektive der Nachhaltigkeit angehen. Von der Energie, die wir beziehen, bis zum Müll, den wir abgeben. Wenn der Gast uns in fünf Jahren wahrnimmt als nachhaltiges Hotel, dann haben wir viel erreicht.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Fotos: Susanne Baade

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