Ein Drink ist mehr als eine gemixte Spirituose. Bei einem Tasting in der Bar Mangold tauchen wir ein in die spannende Geschichte von Tequila und Mezcal – und lernen die Expertise einer Bar schätzen.
„Clean your clock“ heißt der Drink, den Barkeeperin Nadin jetzt auf die Theke stellt. Er gleicht einem kleinen Kunstwerk. Und auch die Zutaten sind eine Verheißung: ein edler Mezcal, ein Gewürzlikör auf Rum-Basis, getoppt mit einem veganen Limetten-Espuma. Wir setzen das Glas an. Wow! Nach der Süße des Espumas vermischt sich der herbe Likör mit der Kraft des Agavenschnaps zu einer wunderbar vielschichtigen Komposition. Mhmm. Noch ein Schluck. Dieser Drink ist ein absoluter Traum.
Ein Kulturgut Mexikos in der Bar Mangold
Das wäre nämlich die Übersetzung von „Clean your clock“. Ein Motörhead-Album hieß so. „Ich denke, dass es sich selbst nach mehreren Gläsern des Cocktails nicht so anfühlt, als hätte man zu viel Heavy Metal gehört“, sagt Nadin und lacht. Denn die Drinks sind zwar vielschichtig, doch im Alkoholgehalt eher gering. Und auch nach Abschluss des Tequila-/Mezcal-Tastings hat niemand in unserer kleinen Runde das Gefühl, zu viel getrunken zu haben. Im Gegenteil. Das Tasting hat uns neugierig gemacht auf die aus der Agave gewonnenen Spirituosen – auf ein Kulturgut Mexikos.

Das ist der Sinn der Tastings im Mangold. „Wir wollen unseren Gästen nichts andrehen“, sagt Nadin, die viele Tastings vor allem als Verkaufsveranstaltung bezeichnet, „wir wollen sie an unserem Hintergrundwissen zu einer Spirituose teilhaben lassen.“ Im Mangold werden Tastings zu Whisky/Whiskey angeboten, zu Gin/Genever, zu Rum und zu Tequila/Mezcal. Für maximal zehn Teilnehmer beginnt dann eine faszinierende Reise in die Geschichte, die Herstellung, die Verbreitung und die Drink-Kultur.
Das Herz der blauen Agave
Wir erfahren, dass Mezcal und Tequila aus der Agave gewonnen werden. Die Pflanze, deren Blütenstand bis zu 12 Meter hoch werden kann, und deren Herz bis zu 90 Kilogramm schwer, wird seit mehr als 8.000 Jahren kultiviert. Aus ihrem fermentierten Saft gewannen die Azteken den Vorgänger des Tequila, den Pulque. Der hatte einen Alkoholgehalt von 5 bis 7 Prozent. Erst nachdem die spanischen „Eroberer“ Brennblasen in das Land brachten, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts in Jalisco der erste Tequila gebrannt. Noch heute ist der Bundesstaat das Zentrum der Tequila-Produktion in Mexiko.
Ein Tequila darf nur aus blauen Agaven hergestellt werden. Die wachsen 8 bis 12 Jahre auf dem Feld, bis der Jimador mit seiner lanzenartigen Coa die spitzen Blätter abtrennt und das Herz der Pflanze frei legt. Diese Piñas werden über mehrere Tage bei 60 Grad gegart und dann gemahlen. Der so gewonnene Most wird destilliert, meist zweimal, damit der Tequila weicher schmeckt, und dann abgefüllt oder gelagert. Im Unterschied dazu basiert der Mezcal auf mehreren Agavenarten. Deren Piñas werden geräuchert und gekocht, wodurch der Mezcal jenen unverwechselbaren Geschmack erhält.
Das Tasting verbindet Geschichte und Geschmack
Während Nadin uns sehr unterhaltsam mitnimmt in die Geschichte des Agavenbrandes, stellt sie immer wieder kleine Gläser vor uns ab, Caballitos. So lernen wir den Unterschied zwischen dem klaren, ungelagerten Tequila Blanco kennen, dem ein bis drei Jahre in Eichenfässern gelagerten Tequila Añejo und dem mindestens drei Jahre im Fass gereiften Reserva. Wir dürfen uns durch die „Bandera“ testen. Die Flagge ist eine Hommage an den Unabhängigkeitstag Mexikos, auf einem kleinen Tablett stehen ein Shot Tequila Bianco, ein Shot hausgemachter Limettensaft und eine ebenfalls hausgemachte Spicy Margarita. Zusammen ergeben die Farben der Drinks die Flagge Mexikos.

Und schließlich lässt Nadin den Shaker tanzen wie im schneller und schneller werdenden Takt einer Mariachi-Kapelle. Nun gießt sie den goldbraunen Signature Drink des Mangolds in gekühlte Gläser und garniert aus dem Siphon mit einer schönen Espuma-Haube. Für dieses Tasting bildet der grandiose „Clean your Clock“ den Abschluss. Mhmm. Wir sind schon gespannt auf das nächste Tasting. Wie wäre es mit Gin?








