Hamburgs Westen gehört noch gar nicht lange zu den Stadtteilen der Hansestadt. Erst seit knapp 90 Jahren sind Altona und Bahrenfeld echte Hamburger. Dabei gibt es eine sehr enge Verbindung. So sorgte 1896 ein neues Gaswerk für Licht in den Straßen… Heute ist es Hamburgs erste Design Hotel.
Hohe Decken, weite Hallen, surreal wirkende Maschinen und viel Platz – Künstlerinnen und Künstler, Lebenskünstler und Aussteiger entdeckten in den 1960er Jahren das bei Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs zum Teil zerstörte, längst still gelegte Alte Gaswerk in Bahrenfeld. Sie nutzten einige der Räumlichkeiten als Ateliers, luden ein zu Ausstellungen, feierten das Leben jener Zeit. Während nebenan, in der noch industriell genutzten „Kohlehalle“, eine Firma Futtermehl produzierte. Aber der Wandel, der zeichnete sich da bereits ab. Er sollte unabwendbar sein.
Die neuen Zeiten hatten ihren Ursprung im Jahr 1896. Nach vierjähriger Bauzeit wurde das vom bekannten Hamburger Architekten Adolf Schaar entworfene Gaswerk in Bahrenfeld in Betrieb genommen. Die hohe Halle mit ihrer warm-roten Backsteinfassade, dem mächtigen Turm und den großen Fenstern, war ein typisches Beispiel für jene Mischung aus Funktionalität und Jugendstil, die die Industriearchitektur der Jahrhundertwende prägte. Es war eine Zeit der Fortschrittseuphorie: Der erste Motor-Lastwagen rollte über deutsche Straßen, und in Budapest fuhr die erste U-Bahn Europas, zum ersten Mal waren Röntgen-Aufnahmen zu sehen, und die ersten Filme wurden öffentlich gezeigt. In Blackpool eröffnete der erste Freizeitpark „Pleasure Beach“ und in Berlin das Theater des Westens.
Aber der Wandel, der zeichnete sich da bereits ab. Er sollte unabwendbar sein.
Bis in die 1930er Jahre wurde im großartigen Fabrikensemble des Gaswerks Stadtgas erzeugt. Es stand der gesamten Stadt als Energiequelle zur Verfügung und brachte die in jener Zeit noch per Gaslampe funktionierende Straßenbeleuchtung bis in den Hamburger Westen. Nachdem in den folgenden Jahren das Stadtgas zunehmend von Erdgas und Elektrizität abgelöst wurde, nachdem in den großen Bombenangriffen auf Hamburg auch einige Gebäude der Fabrik in Bahrenfeld zerstört wurden, verwilderte das große Areal ein wenig. Bis schließlich Künstler, Aussteiger und Aktivisten das Gelände an der Gasstraße für sich entdeckten.

Anfang der 1990er Jahre gründete eine Gruppe von Architekten und Investoren das „Forum Altes Gaswerk“ und entwickelten Pläne, wie die Fabrikbauten mit ihren typischen Backsteinfassaden einerseits dem Stadtbild erhalten bleiben können – und andererseits dennoch eine zeitgemäße Nutzungsform erfahren. Nach einer gründlichen Sanierung des Bodens begann die Gestaltung des „Otto von Bahrenparks“ als gemischt genutztes Gewerbe- und Wohnareal. Wohnungen, Geschäfte, Büros, Restaurants, ein Fitnessstudio, ein kleiner Park mit einem hübschen Teich, zwei Hotels. Eins davon ist unser Gastwerk.
Die historischen Bauten des Geländes wurden in die Denkmalliste eingetragen. Dazu gehören neben dem Verwaltungsgebäude noch der Kohlenturm, vier große Hallen sowie die aufgeständerten Gleise, eine Waage und eine Drehbühne für die Eisenbahn. Wer ein wenig Zeit hat, mag vielleicht einen kleinen Spaziergang über das Gelände unternehmen – zur „Weißen Villa“ und zum „Uhrenhaus“, zur „Remise“ oder zur „Reinigerhalle Süd“. An der Rezeption liegt dafür ein informatives Pdf aus.

Die Idee für unser Gastwerk entstand kurz vor der Jahrtausendwende. Dabei sollte das charismatische Design der historischen Architektur, erhalten bleiben. Angeregt vom Hotel-Visionär Kai Hollmann, gestaltet und umgesetzt von Regine Schwethelm, Sibylle von Heyden und Armin Fischer, gehen die charmante Rauhheit des industriellen Zweckbaus und die Eleganz zeitgenössischen Designs im Gastwerk eine faszinierende Symbiose ein. Pünktlich zur Jahrtausendwende im Januar 2000 wurde das erste Design Hotel Hamburgs eröffnet und begrüßt seit dem mit seinem unverwechselbaren Loft-Charme die Gäste.
Wir empfehlen, sich unbedingt ein wenig Zeit zu nehmen – für die Besonderheiten unseres Hauses. Es gibt so vieles zu entdecken: alte Maschinen, die wir aufgearbeitet haben, und die wie Skulpturen im Raum stehen. Wir haben Wasserspiele errichtet und überraschen auf den verschiedenen Etage mit Sitzgelegenheiten und Rückzugsräumen. So gibt es Gäste, die erst beim zweiten oder dritten Besuch unsere Bibliothek genutzt haben oder unser Atelier. Wir freuen uns auf eure Entdeckungsreise durch das Gastwerk.
Übernachten im Gastwerk | Feiern im Gastwerk | Tagungen
Fotos: Susanne Baade, Archiv









