Hamburg kann mit manch überraschender Eigenheit aufwarten: Das Wetter ist besser als man denkt, die Menschen viel herzlicher als das Klischee vermuten lässt, und es gibt eine Vielzahl von besonderen Angeboten, die man so nur in Hamburg findet. Zum Beispiel den „Schlemmer Sommer“.
Die Vorspeise versöhnt mit diesem Abend. Es ist ungewöhnlich warm, selbst für einen Hochsommertag in Hamburg. Wir sitzen draußen, die späte Sonne sickert durch die großen Markisen und taucht alles in einen roten Glow. Der Kellner serviert für die eine Seite des Tisches eine Gazpacho und auf der anderen eine Burrata. Super lecker sehen die Teller aus. Wir erheben unsere Gläser, die beschlagen sind vom kalten Weißwein. Das Metzger „Prachtstück“ ist eine nach Pfirsich duftende Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay. Und wir stoßen an auf einen besonderen Abend im Hamburger Schlemmer Sommer.
Das kulinarische Highlight des Sommers
Die Idee, den Sommer in der Stadt zum Genießer-Event zu machen, stammt aus dem Jahr 2009. Schon beim ersten Mal nahmen 87 Restaurants teil und boten ein 3-Gänge-Menü für zwei Personen zum Sparpreis an. Inzwischen hat sich das Konzept zu einem kulinarischen Highlight des Jahres entwickelt. Bereits im Frühjahr werden die teilnehmenden Häuser bekannt gegeben, kurze Zeit später veröffentlichen diese ihre Menüs. Und inzwischen wechselt vielfach mindestens einmal das Angebot. Denn währte der Hamburger Schlemmer Sommer anfangs nur einen Monat, sind es aktuell gut zwei.

Im Mangold beginnt das dreigängige Menü mit der fruchtig-erfrischenden Gemüsesuppe und dem herzhaft würzigen Salat, auf dem wie eine Krone der cremige Mozzarella sitzt. Wir genießen den Moment auf der Terrasse und stippen mit dem Brot die Teller so sauber – als kämen sie direkt aus der Spülmaschine. Augenzwinkernd lobt uns die Kellnerin…
Wir lassen uns viel Zeit an diesem Sommerabend...
Das Hauptgericht hält für die eine Seite des Tisches einen butterzarten Zander bereit, die Haut gold-braun. Begleitet wird das Fischfielt von blanchiertem Gemüse. Möhren, Spargel, Zucchini. Dazu ein kleines Kartoffelgratin, eine Scheibe Zitrone und die Blüte einer Kapuzinerkresse. Auf der anderen Seite gibt es eine trefflich gelbe Maispoularde, die geröstete Haut duftet wie Karamell. Dazu ein cremiges Erbspürree und ein hübsches Gemüse-Arrangement. Möhren, Spargel, Lauch. Die Anordnung auf den großen Keramiktellern ist ein Augenschmaus. Und wird nur getoppt vom Genuss. Wir lassen uns Zeit. Der Abend verstreicht in einem Tempo, als wäre es die Aufnahmeprüfung für eine Slow Food-Organisation. Es gibt viel zu bereden an diesem Schlemmer Sommerabend.

Als uns die Frage gestellt wird, ob es geschmeckt hat, ist diese so offenkundig rein rhetorisch, dass wir alle ein wenig lachen müssen. Wieder sind die Teller leer. Wir lehnen uns zufrieden zurück in die gestreiften Polster der bequemen Bistromöbel. Und müssen uns schließlich mit dem Punkt befassen, den wir auf „später“ vertagt hatten: Dessert? Wir treffen die einzig vernünftige Entscheidung – und ordern nur eine Creme Brulee. Wir teilen.
Wir tun das einzig Vernünftige - und bestellen
Die kleine Schüssel enthält eine riesige Portion unseres Lieblingsdesserts. Ein betörender Duft von Vanille liegt über der goldenen Zuckerkruste, und eine Nocke Zitroneneis sorgt am Rand für sommerliche Erfrischung. Wir lassen mit den Löffeln die Kruste bersten und dringen vor bis zum süß-zarten Schmelz. Mhmmm. Was ein Abschluss!
Wir verlängern den Abend noch um einen Espresso. Die Sonne ist bereits untergegangen, doch im Himmel schimmert noch dieser silbrige Glanz wie man ihn aus skandinavischen Sommernächten kennt. Die Luft schmeckt mild. Und, hey, das Geräusch aus dem Schilf im nahen Otto-von-Bahrenpark – klingt das nicht wie eine Grille?

Fotos: Susanne Baade










