Hamburgs Geschichte lässt sich an vielen Orten ablesen, doch sie offenbart sich besonders dort, wo Wasser nicht nur durch die Stadt fließt, sondern sie formt. Ausgangspunkt und Ruhepol zugleich für diese frühlingshafte Entdeckungsreise: das Gastwerk Hotel. Ein Ort, der wie kein zweiter für die industrielle Transformation Hamburgs steht.

Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe
Was hier passiert ist
Am südöstlichen Rand Hamburgs wurde Ende des 19. Jahrhunderts ein technisch anspruchsvolles Projekt realisiert, das die Versorgung der wachsenden Stadt mit sauberem Trinkwasser neu ordnete. Eine Anlage aus rund 22 weitläufigen Sandfilterbecken nahm 1893 ihren Betrieb auf, nachdem eine verheerende Cholera-Epidemie 1892 die Schwächen der bisherigen Wasserentnahme aus der Elbe offengelegt hatte, das kontaminierte Wasser übertrug die Krankheit. Dieser Ausbruch beschleunigte den Bau der Filteranlage, die erstmals eine hygienisch kontrollierte Wasserversorgung für Hamburg ermöglichte. Heute ein besonderer, musealer Ort – Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe.
Was man vor Ort sieht
Die erweiterten Filterbecken, technischen Gebäude und Schieberanlagen zwischen Grünflächen lassen sich auf Spazierwegen erleben. Die Villa Kaltehofe, einst Labor und Verwaltungsgebäude, steht neben massiv gemauerten technischen Strukturen, auf die heute Informationstafeln verweisen. Auf dem weitläufigen Gelände hat sich eine reichhaltige Flora und Fauna etabliert – Vögel, Insekten und Pflanzen, die diesen ehemals industriellen Raum neu definieren. Die Villa ist zuletzt aufwändig saniert worden und mit ihr das hübsche Café.
Hidden Twist
Kaltehofe wird nicht mehr allein durch technische Funktion bestimmt, sondern durch seine Wandlung zur offenen Landschaft zwischen Erinnerung und Ökologie. Wo einst Sandfilter arbeiteten, hat die Natur einen Lebensraum zurückerobert. Gleichzeitig sind Spuren der sozialen Geschichte erhalten, inklusive Hinweisen auf Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg – ein subtiler Hinweis darauf, wie Technik, Gesellschaft und Landschaft ineinander verwoben sind.
Alter Elbtunnel
Was hier passiert ist
Beim Gang durch den Alten Elbtunnel spürt man sofort die Dimensionen eines frühen Großprojekts der Ingenieurskunst: Die beiden Röhren unter der Norderelbe sind etwa 426 Meter lang und liegen rund 24 Meter unter dem Wasserspiegel – eine technische Leistung, die 1911 als eine der ersten große Flussuntertunnelungen auf dem europäischen Kontinent realisiert wurde und die einst als Pioniertat der Ingenieurskunst galt.
Was man vor Ort sieht
Die symmetrisch gewölbten Wände sind mit glasierten Kacheln und Reliefmotiven versehen, die maritime Elemente wie Fische und Flusswesen zeigen.
Von den historischen Aufzugs-Kabinen in den markanten Kuppelbauten bei den St. Pauli-Landungsbrücken und auf der Südseite steigen heute Besucher:innen, Radfahrende und Fußgänger:innen hinab; die alten Fahrkörbe wirken wie Zeitkapseln zwischen Straße und Tunnelboden.
Heute ist der Tunnel ein offener, kostenfreier Verkehrsweg für Fußgänger und Radfahrende – rund um die Uhr passierbar – und ein beliebter Zugang zur Elbseite Steinwerder mit seinen Hafenblicken und Panoramaausblicken auf die Hamburger Skyline.
Jan-Fedder-Promenade
Was hier passiert ist
Nach der verheerenden Sturmflut von 1962, bei der große Teile der Innenstadt überflutet wurden und mehr als 300 Menschen starben, reagierte Hamburg mit einem groß angelegten Hochwasserschutzprogramm am Niederhafen. Zwischen St. Pauli-Landungsbrücken und Baumwall wurde eine Flutmauer errichtet, die die Stadt vor den winterlichen Sturmfluten der Nordsee schützen sollte.
Ab 2006 stellte die Stadt im Rahmen eines Wettbewerbs die Weichen neu: Die bestehende Schutzanlage wurde nicht nur funktional ertüchtigt, sondern architektonisch als öffentlicher Raum neu gedacht. Den Entwurf für die Neugestaltung erhielt das internationale Büro von Zaha Hadid Architects – einer der letzten realisierten Großentwürfe der 2016 verstorbenen Architektin. Zwischen 2010 und 2019 entstand so eine rund 625 Meter lange Promenade, die bis zu 8,90 Meter über Normalnull reicht und zugleich Panoramablicke auf Hafen und Stadt ermöglicht.
Was man vor Ort sieht
Die Promenade präsentiert sich als generös dimensionierter Spazier- und Aufenthaltsraum direkt über der Hochwasserschutzmauer. Schwungvolle Treppen aus Sichtbeton führen in rhythmischer Abfolge zu Straßenniveau und hinunter zum Wasser. Zwischen den Treppen entstehen kleine Amphitheater-artige Plätze, die sich in Richtung Elbe öffnen.
Hidden Twist
Was heute als flanierbarer Elb-Boulevard erlebt wird, ist in seiner Grundfunktion ein Stück lebenswichtiger Infrastruktur: Der radikal erhöhte Schutzwall bildet den zentralen Pfeiler der innerstädtischen Hochwassersicherung. Zaha Hadid Architects hat diese Herausforderung architektonisch transformiert, indem sie aus der schieren Notwendigkeit eines Schutzbauwerks einen erlebbaren Stadtraum gemacht hat – mit Wegen, Sitzstufen und Blickachsen, die das Verhältnis von Stadt und Wasser neu austarieren.
Seit Januar 2022 trägt dieser Abschnitt den Namen Jan-Fedder-Promenade, gewidmet einem der profiliertesten Hamburger Schauspieler, der in seiner Heimatstadt und insbesondere in der Rolle des Polizisten Dirk Matthies im Großstadtrevier zum Symbol lokaler Identität wurde.

Eilbekkanal
Was hier passiert ist
Der Eilbekkanal ist das Resultat jahrzehntelanger urbaner Wasserplanung im nordöstlichen Hamburg. Vom ursprünglichen Flusslauf der Wandse/Eilbek reguliert und ausgebaut zwischen 1854 und 1900, wurde er als kanalisiertes Gewässer Teil einer städtischen Wasserstruktur, die Fluss, Entwässerung und Bebauung miteinander verband. In dieser Zeit gewann der Kanal für die städtische Entwicklung an Bedeutung, weil er einerseits eine definierte Wasserlinie im wachsenden Siedlungsraum schuf und andererseits die Voraussetzungen dafür legte, dass sich im 20. Jahrhundert dichte Wohnquartiere entlang seiner Ufer entwickeln konnten – lange bevor moderne Abwasser- und Sielnetze die Stadt untertunneln und entlasten sollten.
Was man vor Ort sieht
Heute schlängelt sich der Eilbekkanal mehr als zwei Kilometer durch Wohnquartiere und Parks, gesäumt von promenierenden Wegen, Fahrradstraßen und Brücken wie der historischen Von-Essen-Straßenbrücke aus dem Jahr 1927, einem Kulturdenkmal der Stadt. Entlang des Nordufers haben sich seit 2009 Hausboote als ein experimenteller Wohntyp etabliert – zehn Liegeplätze wurden für sie eingerichtet, vielfach von Architekt:innen gestaltet und heute als Wohnraum oder Atelier genutzt. Zwischen Freiräumen, grünen Uferzonen und der städtischen Dichte spiegelt sich die Vielschichtigkeit des urbanen Wassers: Von kleinen Brücken über ruhige Wasserflächen bis zu Blickachsen auf Kirchtürme oder Uhlenhorster Fassaden entsteht ein Ensemble, das Natur, Stadt und Wohnstrukturorganisch verknüpft.
Hidden Twist
Unter der sichtbaren Wasserfläche liegt ein Netz aus technischen Systemen, die die Stadt erst funktional machen: unterirdische Sielstränge, Pumpwerke und Entwässerungsnetze, die nicht wahrgenommen werden, aber wichtig sind.
Gleichzeitig hat der Kanal im 21. Jahrhundert eine neue Rolle als Pilotraum für „Wohnen auf dem Wasser“ bekommen – ein Experiment urbaner Lebensformen, das Menschen, Architektur und Wasser auf unerwartete Weise zusammenbringt.
Wesselhöftpark
Was hier passiert ist
Durch das üppige Grün zwischen Jenischpark und Nienstedten schlängelt sich die Kleine Flottbek durch das Marsch- und Geestland. Der Bach speiste einst Mühlen, entwässerte Wiesen und strukturierte landwirtschaftliche Flächen. Mit der Ausdehnung der Elbvororte im 19. Jahrhundert entstanden entlang seines Laufs Parks und Villengärten – grüne Rückzugsorte für eine wachsende Stadtgesellschaft. Der heutige Wesselhöftpark im sogenannten Quellental greift diese Geschichte auf: geschwungene Wege, alte Bäume, Wiesen, die sich zum Wasser öffnen. Hier zeigt sich eine ganz besondere Seite Hamburgs, ein stilles Kapitel Stadtentwicklung, das Naturraum und Wohnquartier verzahnt.
Was man vor Ort sieht
Der Spaziergang beginnt an der S-Bahn-Station Bahnhof Hamburg-Klein Flottbek. Von hier führt der Weg zunächst in den Derby-Park. Weite Rasenflächen breiten sich aus, dahinter das traditionsreiche Polo Club Hamburg. Wenn gespielt wird, hallen Hufschläge über das Gelände. Im benachbarten Westerpark stoßen wir auf den Bach hinter Ufergehölz. Gebogene Holzbrücken, Kinder balancieren über Steine, Jogger ziehen ihre Runden.
Schließlich öffnet sich das Quellental. Der Wesselhöftpark liegt verwunschen wie eine grüne Mulde zwischen sanften Hängen. Hohe Buchen filtern das Licht, der Bach glitzert zwischen Farnen. Eine mächtige Eiche liegt halb versunken in einem Becken, in dem sich das Wasser der Kleinen Flottbek aufstaut.
Hidden Twist
Der Wesselhöftpark wirkt selbstverständlich, fast zufällig gewachsen. Tatsächlich ist er Teil eines fein austarierten Grünzugs, der Wasserlauf, Parklandschaft und Wohngebiet verbindet. Die Kleine Flottbek fungiert dabei als landschaftliches Rückgrat für die umliegenden Quartiere. Hier hört man vor allem das Rascheln der Blätter – und ist doch nur wenige Schritte vom spektakulären Elbpanorama entfernt. Mit den großen Pötten und den stattlichen Villen.
Vom Gastwerk aus erreicht man Klein Flottbek bequem mit der S-Bahn. Danach heißt es: losgehen, Tempo drosseln, den Blick senken auf Wasser und Wurzeln. Und später zurück ins Loft nach Bahrenfeld – Backstein, Eisen, klare Linien. Draußen Bachlauf und Wiesen, drinnen Industriegeschichte und Design. Zwei Facetten derselben Stadt.

Vom Wasser ins Gastwerk
Hamburgs Wasserstadt lässt sich nicht auf Hafensymbole reduzieren. Sie ist ein Gefüge aus Schutzanforderungen, technischer Innovation, sozialer Nutzung und urbaner Erfahrung – sichtbar an Orten wie Kaltehofe, dem Alten Elbtunnel, dem Entenwerder Park, der Jan-Fedder-Promenade und dem Eilbekkanal. Bei einem Besuch dieser Orte eröffnen sich viele Facetten der Stadt, die zwischen Schutz, Alltag und kreativer Neunutzung oszillieren.
Wenn Sie nach solch einem Stadterlebnis wieder Ruhe und Stil suchen, ist das Gastwerk Hotel ein idealer Ausgangspunkt: In einem ehemaligen Industrieensemble im Westen Hamburgs bietet es architektonische Qualität, urbane Gelassenheit und eine Nähe zu weiteren Stadtgeschichten, die in der Gegenwart fortgeschrieben werden.
Fotos: Susanne Baade, Ingo Boelter/Mediaserver Hamburg







